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Erst sprechen, dann schreiben lassen

Ein Ablauf in drei Schritten und ein Prompt für Claude, ChatGPT oder Copilot. Die KI ordnet, was du gesagt hast, und erfindet nichts dazu.

  • Von der Sprachnotiz zum fertigen Text in drei Schritten
  • Ein Prompt zum Kopieren, der nur mit deinen Argumenten arbeitet
  • Ein Test, mit dem du beim Gegenlesen siehst, ob etwas dazuerfunden wurde

Der leere Prompt ist das Problem

Gibst du der KI nur ein Thema, muss sie den Inhalt selbst erfinden. Sie nimmt dafür, was im Durchschnitt zu diesem Thema geschrieben wurde, und genau so klingt dein Text dann auch. Im Team fällt das noch schneller auf, weil plötzlich alle Mails und Posts gleich klingen, egal wer sie geschrieben hat.

Der Ablauf in drei Schritten

1. Zwei Minuten frei sprechen

Nimm die Diktierfunktion deines Handys oder die Spracheingabe in deinem KI-Tool und rede los, ohne Gliederung und ohne dich zu korrigieren. Wiederholungen und Gedankensprünge sind in Ordnung, die sortiert die KI später raus.

2. Das Transcript ordnen lassen

Kopier den Prompt unten in dein KI-Tool, trag Format und Zielgruppe ein, füg dein Transcript am Ende ein und schick ihn ab.

3. Gegenlesen mit einer Frage

Erkennst du jedes Argument im Text als deins wieder? Steht etwas drin, das du nicht gesagt hast, hat die KI es dazuerfunden. Streich es oder sprich es nach.

Der Prompt

Du arbeitest wie ein erfahrener Lektor. Du machst Texte klarer, ohne die Stimme des Autors anzutasten.

Ich habe etwa zwei Minuten frei in mein Handy gesprochen, mit Pausen, Wiederholungen und Gedankensprüngen. Daraus soll ein [FORMAT, z. B. LinkedIn-Post mit ca. 150 Wörtern, Mail an mein Team, Absatz für ein Angebot] werden, der sich an [ZIELGRUPPE, z. B. Kundinnen im Maschinenbau, mein Vertriebsteam] richtet. Die Argumente, Beispiele und Zahlen sollen meine bleiben, ich will den Text beim Gegenlesen als meinen wiedererkennen.
[OPTIONAL: eure Schreibregeln, z. B. Du-Form, keine Superlative, max. 3 Absätze]

So gehst du vor:
1. Lies das Transcript komplett und finde den Kerngedanken, den ich transportieren will.
2. Ordne meine Gedanken in eine Reihenfolge, der ein Leser ohne Vorwissen folgen kann.
3. Streiche Wiederholungen, Füllwörter und Sätze, die nichts Neues sagen.
4. Behalte meine Formulierungen, wo sie funktionieren, und glätte nur Sätze, die beim Lesen stolpern.
5. Nutze ausschließlich Argumente, Beispiele und Zahlen aus dem Transcript und ergänze nichts Eigenes.
6. Sammle alles, was für einen vollständigen Text fehlt, als offene Stellen, statt es zu erfinden.
7. Ordne jeden Absatz der Stelle im Transcript zu, aus der er stammt.

Gib das Ergebnis in drei Teilen aus. Zuerst der fertige Text im gewünschten Format und in der dort angegebenen Länge. Darunter „Offene Stellen“ als kurze Liste. Darunter „Herkunft“ mit einer Zeile pro Absatz und dem passenden Zitat aus dem Transcript. Ton: so nah an meiner gesprochenen Sprache, wie es für geschriebenen Text geht, sachlich, ohne Werbesprache.

Wenn im Transcript etwas unklar ist, etwa ein Bezug, eine Zahl oder ein Name, markiere es und stell deine Rückfragen, bevor du den Text schreibst.

Transcript:
[HIER DAS TRANSCRIPT EINFÜGEN]

Die drei Stellen zum Anpassen

Format und Zielgruppe trägst du in die eckigen Klammern im zweiten Absatz ein, je genauer, desto besser. Die optionale Zeile darunter ist der Platz für eure Schreibregeln, falls es welche gibt. Und die Herkunft am Ende ist dein Gegenlese-Test zum Abhaken, damit siehst du in Sekunden, ob ein Absatz aus deinem Kopf kommt.

Bevor du Firmeninhalte einsprichst

Sprachnotizen enthalten schnell Kundennamen, Zahlen und Interna. Nutze dafür nur ein KI-Tool, das in deinem Unternehmen für solche Daten freigegeben ist.

Im Team braucht es mehr als einen Prompt

Für dich allein reicht dieser Ablauf. Soll dein Team so schreiben, mit denselben Regeln und derselben Qualität, muss der Ablauf als System stehen, mit gemeinsamen Schreibregeln und jemandem, der den Check verantwortet.

Wie daraus ein fester Ablauf wird, zeigen wir im Capable Bootcamp am Beispiel unseres eigenen Geschäftsalltags, live auf Zoom und für 0 €. Der nächste Durchgang läuft im November.

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Häufige Fragen

Mit welchem KI-Tool funktioniert der Prompt?

Mit jedem Chat-Tool, das längere Texte verarbeitet, zum Beispiel Claude, ChatGPT oder Microsoft Copilot. Der Prompt ist bewusst ohne Tool-Besonderheiten geschrieben.

Wie bekomme ich das Transcript?

Über die Diktierfunktion deines Handys, eine Sprachmemo-App mit Transcript-Funktion oder die Spracheingabe direkt im KI-Tool. Kleine Tippfehler im Transcript sind kein Problem, die gleicht die KI beim Ordnen aus.

Wie lang sollte die Sprachnotiz sein?

Zwei Minuten reichen für einen Post oder eine Mail. Für einen längeren Text sprichst du länger oder nimmst mehrere Notizen auf und fügst die Transcripts hintereinander ein.

Warum erfindet die KI ohne Transcript Inhalte?

Ein Sprachmodell ergänzt, was zu einer Anfrage am wahrscheinlichsten passt. Fehlt dein Material, füllt es die Lücken mit dem, was zu diesem Thema üblicherweise geschrieben wird.

Was mache ich mit den offenen Stellen?

Sprich sie nach oder ergänze sie selbst und lass den Text dann noch einmal ordnen. Dass die KI diese Lücken nicht füllt, ist gewollt, sonst stünden dort wieder erfundene Inhalte.

Darf ich Firmeninhalte einsprechen?

Das klärst du vorher mit eurer IT oder dem Datenschutz. Sobald echte Kunden- oder Personendaten ins Spiel kommen, gehören sie in einen Business-Account mit Auftragsverarbeitungsvertrag.

Funktioniert das auch im Team?

Ja. In die optionale Zeile im Prompt kommen dann eure gemeinsamen Schreibregeln. Damit alle im Team dauerhaft so arbeiten, braucht es einen festen Ablauf mit klarer Verantwortung.

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